Die Familie Schweitzer

Isaak und Isabella Schweitzer

Vermutlich im Jahr 1876 eröffneten Isaak Schweitzer und Josef Wertheimer ihr Kaufhaus an der Ecke Bahnhofstraße und Speyererstraße. Vor dem Gebäude wurde auf dem Marktplatz im Jahr 1798 der Freiheitsbaum gepflanzt. Vermutlich im Jahr 1876 eröffneten Isaak Schweitzer und Josef Wertheimer ihr Kaufhaus an der Ecke Bahnhofstraße und Speyererstraße. Vor dem Gebäude wurde auf dem Marktplatz im Jahr 1798 der Freiheitsbaum gepflanzt.

Isaak Schweitzer, am 5. November 1845 in Mühringen (Horb) geboren, lernte Kaufmann. Sein Vater hieß Schweitzer, der Mädchenname der Mutter war Hirsch. Er wanderte 1865/66 nach USA aus und gründete dort ein Geschäft. Am 16. September 1875 heiratete er in Philadelphia Isabella Guggenheimer. Sie wurde am 27. Juli 1856 in Fincastle (Virginia) geboren. Ihr Vater war Isaak Guggenheimer, ihre Mutter Henriette hatte den Mädchennamen Wertinger.

 

Infolge der Rezession nach dem amerikanischen Bürgerkrieg kamen Isaak und Henriette Schweitzer wieder nach Deutschland zurück. Vermutlich im Jahr 1876 eröffnete Isaak Schweitzer gemeinsam mit Josef Wertheimer ein Kaufhaus an der Ecke Bahnhofstraße und Speyererstraße.

 

Josef Wertheimer wurde 1813 in Durlach geboren. Er zog 1885 in die Bahnhofstraße 1. Sein Sohn Hermann Wertheimer (1848 -1899) heiratete 1877 Ernestine Schweitzer, die Schwester von Isaak Schweitzer. Es entstand das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer.

 

Eine Postkarte, geschrieben am 4.10.1899, zeigt die Bahnhofstraße. Links das Eckhaus ist das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer. Eine Postkarte, geschrieben am 4.10.1899, zeigt die Bahnhofstraße. Links das Eckhaus ist das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer.

 

 

Vorbemerkung:

Die meisten Informationen über Juden in Frankenthal stammen aus der "Juden-Kartei". Ab 1933 wurden die Karteikarten der Juden im Frankenthaler Einwohnermelderegister in einer Extra-Kartei zusammengefasst. Die Kartei blieb im Gegensatz zu vielen anderen Dokumenten der Stadtveraltung erhalten. Gabi Steinmacher, ein Mitglied des Fördervereins, hat alle Karteikarten digital erfasst. Beim Abschreiben gab es immer mal wieder Probleme mit der richtigen Entzifferung. Unklarheiten sind durch (?) gekennzeichnet. Abkürzungen wurden ergänzt.

 


Isaak und Isabella Schweitzer hatten 10 Kinder.
 
Julie, geboren am 16.3.1878 in Frankenthal, verheiratet mit Sally Rosenthal Bingen(?),

Karl, geboren am 11.5.1879 in Frankenthal, wohnhaft durch Geburt bei Eltern Bahnhofstraße 1, Soldat vom 1.7.1915 bis 20.11.1918,weggezogen nach Mannheim am 14.10.1924, verheiratet am 9.8.1926 in Mannheim mit Therese geborene Paul, geboren 25.11.1902 in Mannheim katholisch, Eltern: Paul, Heinrich Kunstmaler und Anna geborene Schuhmacher in Mannheim, zurück von Mannheim mit Ehefrau am 23.4.1928, Bahnhofstraße 1,

 

Hortense, geboren am 7.6.1880 in Frankenthal,heiratet am 10.10.1901 Benjamin Ullmann, geboren am 26.7.1863 in Carlsberg/Grünstadt, Kaufmann.
Kinder: Gertrud Else, geboren am 7.2.1903 in Frankenthal. Die Ehe wurde durch Urteil der 3. Zivil-Kammer hier vom 24.1.1910 geschieden. ....durch Urteil....... Zweibrücken vom 23.1.1907. Hortense Ullmann starb am 20.10.1919. Ihr Grabstein befindet sich auf dem Neuen jüdischen Friedhof in Frankenthal.

Selma Luise, geboren am 7.10.1881 in Frankenthal, verheiratet mit Bernhard Levy Bonn(?),

Hugo, geboren am 3.12.1882 in Frankenthal, Soldat, wohnhaft seit 10.10.1912 Bahnhofstraße 1 bei Eltern, weggezogen nach Berlin 1905.

Anna Sofie, geboren am 10.11.1884 in Frankenthal. weggezogen nach New York am 24.7.1939.

Josef Siegfried, geboren am 3.8.1887 in Frankenthal, verheiratet mit Sofie Dessauer Frankfurt a.M.

Heinrich Isidor Dr., geboren 14.8.1892 in Frankenthal, prakt. Zahnarzt, Soldat ab 17.11.1916, entlassen am 17.11.1918, verheiratet am 2.9.1924 in Nürnberg mit Klara geboren Schloß, geboren 28.11.1903 in Schweinfurt, Eltern: Schloß, Fritz Kaufmann und Bertha geboren Guggenheimer in Nürnberg, Ehefrau zugezogen am 19.8.1924 aus Nürnberg, beide bis 12.12.1926 Marktplatz 10, verzogen nach Mainz, Kaiserstraße 31 am 12.12.1926,


Maximilian Hartwig, geboren am 5.1.1894 in Frankenthal, Soldat, getötet am 5.11.1914.

Lucia, geboren am 2.11.1897 in Frankenthal, weggezogen nach Bonn am 12.2.1920, zugezogen von Frankfurt a.M. am 19.7.1920, weg nach Bonn am 23..3.1921, weggezogen nach Philadelphia am 16.2.1937.



 

Max Schweitzer Max Schweitzer

Maximilian (Max) Hartwig Schweitzer

 

Vier Söhne von Isaak Schweitzer - Karl, Hugo, Heinrich und Max - waren Soldat im Ersten Weltkrieg, vermutlich war auch Josef Friedrich Soldat. Maximilian (Max) Schweitzer hatte sich freiwillig gemeldet. Er wurde bereits am 5. November 1914 getötet.

 

In der Monatsschrift des Frankenthaler Altertums Vereins vom März 1915 heißt es in der "Ehrentafel III":

 

"Laßt uns rühmend der Tapferen aus Frankenthal gedenken, die im heiligen Kampfe fürs Vaterland ihr Leben hingaben!"

 

Als Nummer 39 wird Max Schweitzer genannt: "Kaufmann, Infantrist beim 18. Inf. Reg., 6. Komp., gefallen am 5. Nov. in den Kämpfen bei Hollebecke."

 

Als die NS-Stadtverwaltung 1936 auf dem Jahnplatz ein Denkmal für die 653 gefallenen Kameraden des Ersten Weltkriegs einweihten, fehlten die drei jüdischen Gefallenen Leopold Gutmann, Richard Lurch und Max Schweitzer.

 

1999 haben Schülerinnen und Schüler des Karolinen-Gymnasiums bei ihren Nachforschungen diese Missachtung entdeckt. Eine Zusatztafel erinnert seit 1999 an die drei jüdischen Soldaten.

 

Carl und Therese Schweitzer

Das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer war das markanteste Gebäude in der Frankenthaler Innenstadt. Das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer war das markanteste Gebäude in der Frankenthaler Innenstadt.

Carl Schweitzer, geboren am 11. Mai 1879 in Frankenthal, zog am 14. Oktober 1924 nach Mannheim. Am 9. August 1926 heiratete er dort Therese Paul, geboren am 25. November 1902 in Mannheim. Ihre Eltern: Heinrich Paul, Kunstmaler, und Anna Paul geborene Schuhmacher, waren katholisch. Am 23. April 1928 zogen beide nach Frankenthal in die Bahnhofstraße 1.

 

 

Am 30. Juli 1928 wurde in Mannheim Sohn Hans Max geboren. Als Sohn einer Katholikin war er nach jüdischem Gesetz kein Jude. Aufgrund der "Nürnberger Rassegesetze" war er ein "Halbjude".

 

 

 

Am 31. März 1939 erhielt Carl Schweitzer einen neuen Ausweis. Wie alle Ausweise der jüdischen Bürgerinnen und Bürger war er mit einem "J" gekennzeichnet. Außerdem erhielten die Männer den zusätzlichen Vornamen "Israel", die Frauen "Sara".

 

Während die Behörde "Karl" schreibt, unterschreibt Carl Schreiber mit "Carl".

 

 

Am 3. März 1939 verkaufte Carl Schweitzer das Haus Bahnhofstraße 1 für 76.500 RM an das Bayerische Schokoladenhaus. Am 3. März 1939 verkaufte Carl Schweitzer das Haus Bahnhofstraße 1 für 76.500 RM an das Bayerische Schokoladenhaus.
Die Frankenthaler Innenstadt am Ende des Zweiten Weltkrieges: Auch das Haus Bahnhofstraße 1 wurde zerstört. Rechts oben die Ruine der Synagoge. Die Frankenthaler Innenstadt am Ende des Zweiten Weltkrieges: Auch das Haus Bahnhofstraße 1 wurde zerstört. Rechts oben die Ruine der Synagoge.

 

 

 

Der Blick von der Bahnhofstraße auf die beiden zerstörten Kirchen. Der Blick von der Bahnhofstraße auf die beiden zerstörten Kirchen.

 

 

 

 

 

Hans und Peggy Schweitzer besuchten 2004 Frankenthal. Auf dem Alten jüdischen Friedhof erinnern Grabsteine an Isaak und Isabella Schweitzer sowie an Josef und Rebekka Wertheimer. Hans und Peggy Schweitzer besuchten 2004 Frankenthal. Auf dem Alten jüdischen Friedhof erinnern Grabsteine an Isaak und Isabella Schweitzer sowie an Josef und Rebekka Wertheimer.