Aktuelles vom Förderverein für jüdisches Gedenken
Berliner Theater Anu erinnerte an jüdische Bürgerinnen und Bürger
Das Berliner Theater Anu erinnert an jüdische Bürgerinnen und Bürger.Der Kultursommer Rheinland-Pfalz mit dem Motto "Gott und die Welt" wurde vom 4. bis 6. Mai in Frankenthal eröffnet.
Symbol der Veranstaltung waren Engel auf den Dächern verschiedener Häuser. Dort haben sie an das Schicksal jüdischer Familien zur Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Das Projekt haben Schüler des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation Frankenthal gemeinsam mit dem Berliner Theater Anu (www.theater-anu.de) und dem Künstler Bartel Meyer aus Berlin entwickelt. Der Förderverein für jüdisches Gedenken hat Texte und Fotos zur Verfügung gestellt.
Das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer war ein imposantes Gebäude am Rathausplatz. Mehrere Söhne und Töchter von Isaak und Isabella Schweitzer konnten rechtzeitig ins Ausland fliehen."Die Engel sollen an die schrecklichsten Ereignisse der Frankenthaler Geschichte erinnern”, betonte Oberbürger- meister Theo Wieder. Menschen jüdischen Glaubens wurden ab 1933 ausgegrenzt, vertrieben, eingesperrt und ermordet. Die Engel auf den Dächern erinnern an diese Gräueltaten.
Ein Engel informiert auf dem Dach des Gebäudes über das Leben der Familie Schweitzer.Schülerinnen und Schüler des Pfalz- instituts für Hören und Kommunikation Frankenthal haben gemeinsam mit dem Theater Anu und dem Künstler Bartel Meyer aus Berlin das Projekt "Engel der Geschichte" auf die lokalen Ereignisse übertragen. Sie haben mit Zeit- zeugen gesprochen sowie die Dokumente und Fotos aus der NS-Zeit ausgewertet. Mit Texten erinnerten sie an das Schicksal der jüdischen Familien in Frankenthal.
Zeitzeugen für das Schicksal jüdischer Menschen
Förderverein informiert über die Familie Schweitzer
Carl Schweitzer führte das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer ab 1901. Im Pass von 1939 steht das "J" für "Jude". Zusätzlich musste er sich "Israel" nennen.Mehr als 26 Millionen Menschen sind nach aktuellen Angaben der Vereinten Nationen (UN) weltweit im eigenen Land auf der Flucht vor Gewalt und Verfolgung. Die Zahl der Binnen- flüchtlinge habe 2011 einen der höchsten Werte seit der Jahrhun- dertwende erreicht.
Schon nach der Vorstellung des Jahresprogramms "450 Jahre Ankunft der Glaubensflüchtlinge in Frankenthal" Anfang März hatte der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal öffentlich darauf aufmerksam gemacht, dass nur ein allgemeiner Vortrag zum Thema "Grundzüge des Judentums" angeboten wird. Einerseits werden im Programm ohne systematische Kriterien verschiedene "Zuwanderergruppen" berücksichtigt, andererseits fehlt aber die für die Entwicklung Frankenthals so wichtige Gruppe der Juden. Zuwanderer, Flüchtlinge, Ein- und Auswanderer, Migranten und andere Bevölkerungsbewegungen lassen sich aber durchaus nach wirtschaftlichen, religiösen, politischen oder "rassischen" Kriterien beschreiben. Die seit dem 17. Jahrhundert immer wieder nach Frankenthal kommenden Juden wurden innerhalb des damaligen Staatsgebietes aus religiösen, wirtschaftlichen, politischen und "rassischen" Gründen regelmäßig vertrieben und in der nationalsozialistischen Diktatur viele ermordet. Wo sie zumindest zeitweise geduldet waren, haben sie maßgeblich an der Entwicklung der Städte und Gemeinden mitgewirkt. Auch bei der Veranstaltung "Zeitzeugen Spezial - 450 Jahre Ankunft der Glaubensflüchtlinge, 1562 bis 2012" am Dienstag, 24. April, 19.30 Uhr, in der Stadtbücherei, fehlt eine jüdische Familie. "Es freut uns, dass im Rahmen der Kultursommer-Eröffnung am 4. und 5. Mai das Leben mehrerer jüdischen Familien im Rahmen der Aktion "Engel in der Stadt" vorgestellt wird", betont Herbert Baum vom Förderverein: "Engel informieren von den Dächern der früheren Häuser, in denen sie gelebt haben, über deren Schicksal."
Wo heute die Filiale der Commerzbank steht, befand sich bis zur Zerstörung vermutlich im Jahr 1943 das größte Kaufhaus Frankenthals, das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer. Ein Engel wird vom Dach des Hauses an die Familie erinnern.
Das Kaufhaus Schweitzer & Wertheimer wurde vermutlich 1876 von Isaak Schweitzer und Josef Wertheimer gegründet.
Isaak Schweitzer wurde am 5. November1845 in Mühringen bei Horb am Neckar geboren. Im 18. Jahrhundert erlangte Mühringen als ein religiöser Mittelpunkt für die Juden in Südwestdeutschland eine große Bedeutung. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1846 mit 512 Personen erreicht bei einer Bevölkerung von heute 1000 Einwohnern. Ein Vergleich: 1871 lebten 246 Juden in Frankenthal unter 7021 Einwohnern (rund 3,5 Prozent). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der Juden in Mühringen durch Aus- und Abwanderung schnell zurück, so dass 1900 nur noch 130 jüdische Einwohner gezählt wurden. Im Jahr 1900 lebten in Frankenthal 371 Juden unter 16 899 Einwohnern (rund zwei Prozent).
Auch Isaak Schweitzer wanderte 1865/66 in die USA aus und gründete dort ein Geschäft. Am 16. September 1875 heiratete er in Philadelphia Babette Isabella geborene Guggenheimer. Vermutlich aufgrund der wirtschaftlichen Krise nach dem Bürgerkrieg kamen Isaak und Isabella Schweitzer 1875 nach Frankenthal, zirka 1876 wurde das Geschäft gegründet,
zusammen mit Josef Wertheimer.
Josef Wertheimer wurde am 13. August 1813 in Durbach bei Offenburg geboren. In Durbach bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 14. Februar 1900. Ihre Entstehung geht in die Zeit nach 1700 zurück. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1801 mit 106 Personen erreicht.
Im Internet findet man viele Informationen über die Familie Wertheimer. Hermann Wertheimer, geboren am 28. März 1848 in Durbach als Sohn von Josef und Rebecca Wertheimer, heiratete am 19. Dezember 1877 in Karlsruhe Ernestine Schweitzer, eine Schwester von Isaak Schweitzer. Vermutlich liegt hier der Grund für die gemeinsame Geschäftsgründung in Frankenthal. Die Grabsteine von Josef und Rebecca Wertheimer befinden sich noch heute auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Frankenthal.
Diese kurze Familienchronik zeigt, wie das Leben der jüdischen Menschen immer wieder von der Entwicklung der Region oder des Landes abhängig war. Nachdem sich die Juden aufgrund der neuen staatlichen Gesetze nach und nach emanzipieren konnten, mussten sie aus wirtschaftlichen Gründen entweder in die aufstrebenden Städte oder ins Ausland abwandern. Auch Frankenthal profitierte bis Anfang des 20. Jahrhunderts von dieser Zuwanderung. Fast alle jüdischen Männer der ersten Generation waren Kaufleute. Parallel zur Industrialisierung Frankenthals entwickelten sie den hiesigen Einzelhandel.
Isaak und Isabella Schweitzer hatten zehn in Frankenthal geborene Kinder: Julie (geboren 1878), Karl (1879), Hortense (1880), Selma Luise (1881), Hugo (1882), Anna Sofie (1884), Josef Siegfried (1887), Heinrich Isidor (1892), Maximilian Hartwig (1894) und Lucia (1897).
Maximilian meldete sich als Gymnasiast freiwillig zur Armee. Er wurde schon am 5. November 1914 in Belgien getötet. Während von den Mädchen keine besonderen beruflichen Karrieren bekannt sind, profitierten die Männer vom Wohlstand der Eltern. Heinrich Schweitzer wurde Zahnarzt und wanderte in den 30er Jahren nach Manchester aus. Hugo Schweitzer wurde Kaufmann und zog bereits 1905 nach Berlin. Auch er ist später erst nach England und dann in die USA ausgewandert. Josef Siegfried zog nach Frankfurt. Von ihm gibt es zurzeit keine weiteren Informationen. Hortense heiratete in Frankenthal den 17 Jahre älteren Kaufmann Benjamin Ullmann. Die Ehe wurde vermutlich 1910 geschieden. Hortense starb bereits 1919. Der Grabstein steht auf dem neuen Jüdischen Friedhof. Auch Selma war verheiratet und zog nach Bonn. Über ihr Schicksal ist zurzeit nichts bekannt. Vermutlich ist auch sie rechtzeitig ausgewandert. Im 2. Stock des Kaufhauses wohnten die unverheirateten Schwestern Anna und Lucie Schweitzer. Lucia ist 1937 nach Philadelphia (USA) und Anna Sophie 1939 nach New York (USA) ausgewandert.
Carl übernahm nach dem Tod des Vaters im Jahr 1901 das Kaufhaus am Rathausplatz. Er heiratete die katholische Mannheimerin Therese Paul. Vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Geschäft 1932 auf Therese Schweitzer überschrieben. Sie führte den Verkauf in reduziertem Umfang im Obergeschoss weiter. Das Bayerische Schokoladenhaus aus Würzburg mietete den Laden im Erdgeschoss und zwei Zimmer in der 1. Etage. Ein Foto im Stadtarchiv dokumentiert den Wechsel.
In der "Reichskristallnacht" wurden die Wohnung und der Laden von Carl und Therese Schweitzer verwüstet. Carl Schweitzer wurde am 10. November 1938 verhaftet und mehrere Wochen im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Therese Schweitzer wurde mit ihrem Sohn Hans aus dem Haus ausgewiesen und zog zu ihren Eltern nach Mannheim.
Das Haus am Rathausplatz musste nicht zuletzt wegen der zwangsweisen "Arisierung" verkauft werden. Zwei bekannte Frankenthaler Kaufleute machten wenige Tage nach der "Reichskristallnacht" Kaufangebote. Am 3. März 1939 wurde das Geschäft für 76.500 Reichsmark an das Bayerische Schokoladenhaus verkauft. Es bestand ein Vorverkaufsrecht.
Carl Schweitzer überlebte die NS-Diktatur - aufgrund der sogenannten Mischehe - mit seiner Frau und seinem Sohn Hans in Mannheim. Er starb bereits 1946 in Mannheim vermutlich an den Folgen der Haft im Konzentrationslager Dachau.
Hans Schweitzer wurde am 30. Juli 1928 in Mannheim geboren. Seit 1934 war er katholisch getauft. Von 1935 bis 1938 besuchte er die Pestalozzischule. Die Verwüstungen in der "Reichskristallnacht" hat er als 10-Jähriger selbst miterlebt.
Hans Schweitzer lebt seit Jahren in der Nähe von New York. Er besuchte bereits mehrmals seine Heimatstadt. Der Förderverein hält Kontakt zu ihm.
Vor einigen Wochen meldete sich mit E-Mail Peter Schweitzer aus New York. Er ist der Sohn von Ulrich Schweitzer, der mit 91 Jahren in New York lebt. Dessen Vater ist Hugo Schweitzer, Bruder von Carl Schweitzer und einer der Söhne von Isaak und Isabella Schweitzer. "Er hat auf den Internetseiten des Fördervereins Informationen über seine Familie gefunden", freut sich Herbert Baum: "Er will Anfang Juni nach Frankenthal kommen. Falls er damit einverstanden ist, soll er als Zeitzeuge für das Schicksal jüdischer Familien aus Frankenthal vorgestellt werden. Damit hätte die vierte Generation der Familie Schweitzer einen Bezug zur Stadt."
Junge Menschen aus Europa pflegen die Jüdischen Friedhöfe - Projekt mit www.bauorden.de
Junge Menschen aus Europa arbeiten in vielen Projekten des Internationalen Bauordens.Der Internationale Bauorden (www.bauorden.de) - seine Geschäftsstelle befindet sich in Ludwigshafen - schreibt für den 8. bis 21. Juli 2012 ein Projekt in Frankenthal aus. Junge Menschen aus europäischen Ländern sollen die beiden Jüdischen Friedhöfe pflegen. "Mit diesem Baucamp leistet der Förderverein für jüdisches Gedenken einen wichtigen Beitrag zum Jubiläumsjahr 450 Jahre Ankunft der Glaubensflüchtlinge in Frankenthal", betont Herbert Baum, Vorsitzender des Fördervereins: "Baucamps dienen vor allem der internationalen Jugendverständigung." Auch Schülerinnen und Schüler aus Frankenthal sollen sich an den Arbeiten beteiligen. Die Arbeiten finden montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr statt.
Der Förderverein ist auf Geld- und Sachspenden angewiesen.
Spendenkonto:
Förderverein
Sparkasse Rhein-Haardt
BLZ 546 512 40
Kontonummer 2400 24778
Mitgliederversammlung des Fördervereins
am 14. Mai 2012 19 Uhr

Die Jüdischen Fried- höfe sind ein Schwer- punkt der Arbeit des Fördervereins in diesem Jahr. Wir wollen alle vorhande- nen Fotos der Grab- steine und Daten über die jüdischen Men- schen in einer neuen digitalen Datei zusam- menführen. Dies wäre für die nächsten Jahr- zehnte eine beacht- liche Dokumentation.
Bei der jährlichen Mitgliederversammlung (ohne Wahlen) am Montag, 14. Mai 2012, 19 Uhr, im Dathenushaus, Kanalstraße 6, stellen wir die Arbeiten vor.
Bei einem Baucamp mit jungen Menschen aus europäischen Staaten wird der Förderverein gemeinsam mit dem Internationalen Bauorden (www.bauorden.de) vom 8. bis 21. Juli die Pflege der beiden Jüdischen Friedhöfe verbessern. Der Efeu um die Grabsteine herum sowie wild wachsende Sträucher und kleine Bäume sollen beseitigt werden.
Der Förderverein beteiligt sich damit an dem umfassenden Thema "450 Jahre Ankunft der niederländischen Glaubensflüchtlinge in Frankenthal".
450 Jahre Ankunft der Glaubensflüchtlinge 1562 - 2012

Mit einem ganzjährigen Programm gedenkt die Stadt Frankenthal im Jahr 2012 der Ankunft niederländischer Glaubensflüchtlinge vor 450 Jahren. Am 3. Juni 1562 fanden reformierte niederländische Glaubensflüchtlinge im ehemaligen Augustinerchorherrenstift Frankenthal Asyl und eine neue Heimat. Ihre alte Heimat, die mit aller Gewalt wieder katholisiert werden sollte, hatten sie verlassen müssen. Die neue Gemeinde kam dank der Kenntnisse und Fertigkeiten der Flüchtlinge zu Wohlstand und in der Folge auch zur Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1577.
Zeichnung von Emil Szymannsky

Der Frankenthaler Maler und Grafiker Emil Szymannsky hat die Synagoge gezeichnet. Das Werk kann gekauft werden.
Informationen: Förderverein für jüdisches Gedenken
Finanzierung der Jüdischen Gemeinden
in Rheinland-Pfalz
Land hält an Staatsvertrag fest
Trotz Bedenken des Verwaltungsgerichts soll es bei Förderkriterien für jüdische Gemeinden bleiben
MAINZ/SPEYER (jüm). Die Mainzer Landesregierung beabsichtigt nicht, den Entwurf des Staatsvertrages mit dem Landesverband der Jüdischen Kultusgemeinden in Rheinland-Pfalz zu überarbeiten. Dies teilte eines Sprecherin des Kulturministeriums auf Anfrage mit.
Anfang März hatte das Mainzer Verwaltungsgericht Zweifel angemeldet, ob dieser Entwurf in verfassungsrechtlicher Hinsicht Bestand haben kann (wir berichteten). Angesprochen wurden diese Bedenken im Zusammenhang mit einer Klage der Jüdischen Gemeinde Speyer.
Laut dem Entwurf können - wie in der Vergangenheit auch schon - nur solche jüdische Gemeinden Fördergelder des Landes erhalten, die die Voraussetzung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erfüllen. Damit sei Rheinland-Pfalz das einzige Bundesland, das so hohe Hürden errichte, hatte das Mainzer Gericht festgestellt. Müsse doch eine Gemeinde mindestens 30 Jahre bestehen, finanziell unabhängig sein und in Rheinland-Pfalz mindestens 4000 Mitglieder (ein Promille der Landesbevölkerung) aufweisen, um diesem Status zu genügen. Mit diesen Anforderungen werde aber eine Mauer errichtet, die neue jüdische Gemeinden kaum überwinden könnten, deutete das Gericht an.
Das Kulturministerium in Mainz hält nach Angaben seiner Sprecherin dennoch die Erfüllung der Körperschaftsvoraussetzungen für ein sinnvolles Kriterium. Allerdings geht das Ministerium von anderen Anforderungen als das Verwaltungsgericht aus und beruft sich dabei auf ein Bundesverfassungsgerichts-Urteil aus dem Jahr 2000, aus dem sich folgender Fragenkatalog ergibt: Ist die Gemeinde auf Dauer angelegt, verfügt sie über eine Satzung, weist sie die erforderliche Intensität des religiösen Lebens auf, hat sie Bedeutung im öffentlichen Leben, verfügt sie über eine hinreichende Organisationsstruktur und eine ausreichende Finanzausstattung, bietet sie die Gewähr der Rechtstreue?
Der Entwurf des Staatsvertrages wurde bereits in erster Lesung im Landtag beraten, auch der Wissenschafts- und Kulturausschuss hat schon grünes Licht gegeben. Ende April wird sich der Rechtsausschuss mit dem Papier befassen. Sollte auch dieses Gremium zustimmen, könnte der Entwurf Anfang Mai erneut auf die Tagesordnung des Landtages gesetzt werden.
aus:
DIE RHEINPFALZ
12. April 2012
Zuwendungen aus dem Landeshaushalt für die jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz sollen von bislang knapp 276 000 Euro auf 550 000 Euro jährlich erhöht werden. Die rheinland-pfälzische Landesregierung stimmte dem Entwurf eines Landesgesetzes zu, mit dem der neue Staatsvertrag zwischen dem Land und dem Jüdischen Landesverband in Kraft gesetzt werden kann. Der neue Staatsvertrag enthält auch Regelungen zum jüdischen Religionsunterricht, zum Betrieb jüdischer Friedhöfe und zu religiösen Feiertagen. Er kann in Kraft treten, nachdem auch der Landtag das Gesetzt gebilligt hat.
Zuwanderer aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion haben die Zahl der Menschen jüdischen Glaubens in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren deutlich anwachsen lassen. Als der derzeit geltende Staatsvertrag 1999 in Kraft trat, hatten die jüdischen Gemeinden im Land 1600 Mitglieder. Jetzt gehören ihnen rund 3300 Personen an.
Mit dem neuen Vertrag wird nach Angaben des für Kirchen und Religionsgemeinschaften zuständigen Bildungsministeriums auch die Verteilung der Landesmittel neu geregelt. Das Geld war bislang von der Geschäftsstelle des Landesverbandes verteilt worden. Künftig soll eine Delegiertenversammlung der Mitgliedsgemeinden über die Mittel entscheiden. Außerdem können auch Gemeinden an den Zuwendungen beteiligt werden, die nicht Mitglied des Landesverbands sind.
Um berücksichtigt werden zu können, müssen diese Gemeinden jedoch den Status einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts besitzen. Diese Voraussetzung erfüllen zwei vom Landesverband nicht anerkannte jüdische Gemeinden russischsprachiger Juden in Speyer und Worms bislang nicht.
aus:
Evangelischer Pressedienst (epd) 29. Januar 2012
